Die Charta für trauernde Kinder

Angemessene Information
Trauernde Kinder haben das Recht, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen so wie Informationen, die deutlich erklären, was passiert ist, weshalb dies so war und was als Nächstes geschehen wird.

„Papa ist an einem Tumor gestorben, aber ich weiß nicht, was ein Tumor ist.“

(Alice, 6 Jahre, deren Vater an Magenkrebs starb.)

Mit einbezogen sein
Trauernde Kinder sollten gefragt werden, ob sie mit einbezogen werden möchten in wichtige Entscheidungen, die auch auf ihr Leben Auswirkungen haben werden – wie etwa Planung der Beerdigung, Gestaltung der Jahrestage.

„Ich half mit, Mamas Lieblingsmusik auszusuchen,
die sie bei ihrer Beerdigung spielten.“

(Kim, 12 Jahre.)

Die Familie mit einbeziehen
Trauernde Kinder sollten Unterstützung in der Art erhalten, dass der Vater und /oder die Mutter mit einbezogen wird und gleichzeitig die Vertraulichkeit für das Kind gewahrt bleibt.

„Andere Eltern zu treffen, die genau in der gleichen Situation waren wie ich,
empfand ich als große Hilfe.“

(Frank, dessen Frau an Gehirnblutung starb.)

Mit anderen Betroffenen zusammenkommen
Trauernden Kindern kann es gut tun, wenn sie Gelegenheit erhalten, anderen Kindern zu begegnen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

„Oft habe ich einfach das Bedürfnis zusammenzubrechen und zu weinen, aber vor meinen Klassenkameraden geht das nicht... Nachdem ich jetzt all die an deren Kinder kennen gelernt habe, die das Gleiche durch gemacht haben, fühle ich mich nicht länger alleine.“

(Jonas, 12 Jahre, dessen Mutter gestorben ist.)

Erzählen, was passiert ist
Trauernde Kinder haben das Recht, ihre Geschichte auf verschiedenste Art zu erzählen. Sie haben das Recht, dass diese Geschichte angehört, gelesen oder angeschaut wird von den Menschen, die ihnen wichtig sind. Die Geschichte kann beispielsweise durch Malen, Fingerpuppen, Briefe und Worte erzählt werden.

„Mein Bild zeigt das Auto, das gegen Papas Kopf knallte.
Er fiel vom Rad, schlug mit dem Kopf auf und starb später im Krankenhaus.“

(Georgina, 7 Jahre, deren Vater bei einem Autounfall starb.)

Gefühle ausdrücken
Trauernde Kinder sollten unbefangen alle Gefühle ausdrücken können, die mit der Trauer verbunden sind, zum Bei spiel Wut, Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle und Angst. Sie sollten dabei unterstützt werden, dies in an gemessener Weise zu tun.

„Es ist in Ordnung zu weinen, und es ist okay fröhlich zu sein.“

(Matthias, 9 Jahre, dessen Vater an einem Herzinfarkt starb.)

Nicht schuld daran
Trauernde Kinder sollten nach einem Verlust wissen, dass sie nicht verantwortlich für den Tod sind und keine Schuld daran haben.

„Jetzt weiß ich, dass niemand daran Schuld hat.“

(Chris, 12 Jahre, deren Vater durch Suizid starb.)

Die gewohnte Routine beibehalten
Trauernden Kindern sollte es möglich sein, ihren früher geliebten Aktivitäten und Interessen auch weiterhin nach zu gehen.

„Ich ging zu Brownies als Meg gestorben war. Ich wollte es meinen Freunden sagen.“

(Peter, 12 Jahre alt.)

Reaktionen der Schule
Trauernde Kinder können es als sehr wohltuend empfinden, eine an gemessene und positive Reaktion von ihrer Schule zu erhalten.

„Mein Lehrer denkt an die Tage,
die für mich schwierig sind, wie Vatertag und Papas Geburtstag.“

(Alex, 9 Jahre.)

Erinnerung
Trauernde Kinder haben das Recht, die verstorbene Person für den Rest ihres Lebens in Erinnerung zu behalten, wenn sie dies möchten. Dazu kann gehören, dass man Erinnerungen noch einmal lebendig werden lässt (gute und schlechte), so dass die Person ein selbstverständlicher Bestandteil der weiteren Lebensgeschichte des Kindes wird.

„Ich zeige mein Erinnerungsbuch gerne den Menschen,
die nicht die Gelegenheit hatten, meinen Papa kennen zu lernen.“

(Bettina, 8 Jahre, deren Vater an Krebs starb.)


Quelle:
Winstons Wish/UK